9.–12. September 2026: SERENA-Forschung auf der Europäischen Konferenz für psychische Gesundheit in Prag vorgestellt
Vom 9. bis 12. September 2026 präsentierte Maria Roth von der Babeș-Bolyai-Universität, Rumänien, Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit SERENA auf der European Mental Health Conference in Prag. Die Präsentation mit dem Titel „Voices of people with lived experience of child maltreatment (PLECM)“ basiert auf qualitativen Daten, die im Rahmen des EURO-CAN-Projekts erhoben wurden, und analysiert diese Ergebnisse erneut im Hinblick auf die Ziele des SERENA-Projekts.
SERENA-Forschung auf der Konferenz vorgestellt
Die Forschung mit Menschen mit eigener Erfahrung von Kindesmisshandlung (PLECM) ist ein besonders sensibles Thema (Roth, Alfandari, Crous, 2023). Ihre Glaubwürdigkeit und Objektivität werden häufig angezweifelt, da ihnen möglicherweise Übertreibung und Subjektivität unterstellt werden (Danese A., Widom C., 2024). Gleichzeitig ist es schwierig, Zugang zu dieser Personengruppe zu erhalten, unter anderem aufgrund von Datenschutzbestimmungen und institutionellen paternalistischen Ansätzen, die dem Schutz der Identität von Betroffenen dienen sollen. Andererseits betonen Vertreter*innen von Organisationen von Menschen mit eigener Erfahrung von Kindesmisshandlung sowie internationale Übereinkommen – darunter die UN-Erklärung über die grundlegenden Rechte von Opfern (1985), die Istanbul-Konvention (2017) und die Lanzarote-Konvention des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch (2018) – die Bedeutung, den Stimmen von Überlebenden von Gewalt zuzuhören und ihre Erfahrungen durch wissenschaftliche Forschung zu validieren.
Die analysierten Daten wurden in zwei in Rumänien durchgeführten Fokusgruppen sowie in einer multinationalen Online-Befragung mit 139 Teilnehmenden aus Rumänien, der Türkei, Ungarn, Italien, Israel und Nordmazedonien erhoben. Die Fragen konzentrierten sich auf die Erfahrungen der Teilnehmenden mit Kinderschutzdiensten und gesellschaftlichen Reaktionen auf Viktimisierung im Kindesalter sowie auf ihre Erwartungen an die Forschung.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich Überlebende von Gewalt häufig von Fachkräften machtlos und unverstanden fühlten und dass diese Haltung möglicherweise auch auf Forschende übertragen werden kann. Daher diskutierten die Teilnehmenden der Fokusgruppen ihr Bedürfnis, sich von Forschenden anerkannt und respektiert zu fühlen.
Ein zentrales Thema der Aussagen war die Bedeutung, die die Teilnehmenden den Begriffen „Opfer“ und „Überlebende*r“ beimessen. Während einige Teilnehmende den Begriff „Überlebende*r“ bevorzugten und ihn mit innerer Stärke und Stolz verbanden, beschrieben andere das Erleben als Opfer bzw. Überlebende*r als Erfahrungen, die sich in verschiedenen Lebensphasen abwechseln können, abhängig vom Heilungsprozess und den individuellen Lebensumständen. In den Fokusgruppen kamen die PLECM zu dem Schluss, dass sie sich bei einer Teilnahme an Forschung geschützt fühlen müssen und wissen müssen, dass Unterstützung verfügbar ist, falls die Teilnahme eine Retraumatisierung auslöst. Gleichzeitig benötigen sie die Freiheit, ihre Erfahrungen zu teilen und in die Planung der Forschung einbezogen zu werden.
Die Aussagen unterstrichen zudem die Bedeutung von Unterstützung und Empathie im Umgang mit Fachkräften. Die Teilnehmenden berichteten über Schwierigkeiten, Erfahrungen mit Kindesmisshandlung offenzulegen, und betonten die Notwendigkeit, dass Fachkräfte sichere Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich Überlebende gehört und verstanden fühlen.
Relevanz für SERENA
Die Präsentation trägt zum Ziel von SERENA bei, die Erfahrungen und Perspektiven von Menschen mit eigener Erfahrung von Kindesmisshandlung in den Mittelpunkt von Forschungs- und politischen Diskussionen zu stellen. Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die Erfahrungen von Überlebenden mit Kinderschutzdiensten, einschließlich ihrer Erwartungen an professionelle Unterstützung, Schulungen, Empathie und Kommunikation. Gleichzeitig verdeutlichen sie die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Offenlegung von Erfahrungen sowie die Bedeutung einer angemessenen Reaktion der Dienste auf die komplexen und langfristigen Folgen von Kindesmisshandlung.
Durch den Beitrag von Maria Roth auf der European Mental Health Conference stärkt SERENA die Sichtbarkeit seiner Forschung in den europäischen Diskussionen über psychische Gesundheit, Kindesmisshandlung und überlebendenzentrierte Ansätze* und verbindet dabei frühere Forschungsergebnisse aus EURO-CAN mit den aktuellen Zielen des Projekts.

